Der Kiel ist fertig. Nachdem die Beladung abgeschlossen war, wurden vergangenes Wochenende die letzten Platten zugeschnitten, mit dem Hobel angeschrägt und von Ruben am Montag und Dienstag angeschweißt. Am Mittwoch waren dann die letzten Schweißnähte aufgefüllt.

Alles zugeschweißt

Fertig ist natürlich relativ. Als nächste müssen dann die Schweißnähte abgeschliffen werden, die Patten angeschliffen werden, es wird grundiert und lackiert und dann kommt Antifouling drauf. Das Verspachteln habe ich noch vergessen.

Zuerst mal soll es aber ins Wasser gehen, um die Beladung zu testen. Geht ja aber ohne Propellerwelle im Moment auch nicht. Wir haben ca 450 kg weniger Ballast drin als zuvor (ca 10 %), dafür aber den Schwerpunkt deutlich tiefer, da wir alle Hohlräume zwischen den Bleibarren mit Blei vergossen haben. Im ganzen vorderen Kielbereich sind nur die untersten 30cm befüllt.
Falls das Gewicht nicht ausreichend sein sollte, können wir einfach noch mal beladen. Die Flex und der Schweißer machen es möglich…. Wir werden dazu ca. 500 kg Blei mal behalten und erst später verkaufen.

Dienstag bis Donnerstag haben wir dann in einer Energieleistung den zweiten Kiel vollends in seine Einzelteile zerlegt, denn Antonio wollte am Freitag ev. zum Recycling-Händler fahren. Daraus wurde es natürlich nichts, ebenso wenig wie das Sortieren des Aluminiums das Antonio ankaufen möchte. Das soll nun am Dienstag statt finden…. Wir lassen uns überraschen!

Das Ende der besch…. Arbeit. Zerlegen und sortieren.

Insgesamt haben wir die letzten Wochen über 10 Tonnen Material bewegt und bearbeitet. Das hat Spuren hinterlassen, chronisch entzündete Handgelenke und Fingersehnen, Schwielen an den Fingern.
Außer ein paar Kratzern durch scharfe Alukanten, einigen “Dachschäden” (immer wieder steht das Schiff im Weg herum, jeder ist x-mal dagegen gelaufen) sowie einigen “Tattoos” durch heiße Bleispritzer (hätten durch entsprechende Bekleidung vermieden werden können, aber bei 30 Grad…)  haben wir das Projekt ohne jeden Unfall bewältigt. 200 Trennscheiben wurden verbraucht und 6 kleine 125 mm Trennschleifer geschrottet.

Insgesamt war es ein grenzwertiges Unternehmen, da die Belastung sehr hoch war. So habe ich z.B. 10 Kilo Gewicht verloren, was ja okay ist, aber doch das Ausmaß der Belastung auch irgendwo zeigt.

Jetzt haben wir endlich Zeit, innen wieder alles auf Vordermann zu bringen und das Boot fahrbereit zu machen. Zuerst werden die Revisionsöffnungen der Dieseltanks verschlossen und die Tanks abgedrückt, um sie auf Dichtigkeit zu überprüfen. Dann gibt es vom Motor- über den Getriebeölwechsel eine lange To-do Liste.

Für die weitere Wegstrecke sind erste Überlegungen im Gange, erst nächstes Jahr Richtung Südamerika zu starten, da wir nun einfach zu spät dran sind. Bis zur Südspitze sind es ca. 7000 Seemeilen, das bedeutet 70 reine Segeltage, ohne etwas anzuschauen. Es wäre zwar noch möglich, bis zum Jahreswechsel dort zu sein, aber da muss es dann schon zügig vorwärts gehen.
Alternativ könnten wir 2-3 Monate auf die Azoren fahren und uns dann im Herbst Richtung Süden bewegen. Mal sehen, wie alles – auch zeitlich – läuft. Noch stehen wir auf Land.