Geplant war das natürlich ganz anders. Windy sagt einen Frontdurchgang für Mittwoch voraus und anschließend schwach windig mit 10 – 12 Knoten aus NO, drehend mehr auf O. Wir wollten auf weitgehend glattem Wasser  (wie am Vortag bei unserem Ausflug) gemütliches Nachtsegeln machen, ev. den Genaker (das Schwachwindsegel) setzen und uns eine gemütliche Nacht machen.

Der Frontdurchgang kommt auch am Mittwoch und wir laufen abends aus Ponta Delgada aus. Im Windschatten der Insel ist das Wasser komplett glatt und es geht unter Vollzeug mit mäßigen 10-12 Knoten Wind recht flott dahin. Wir freuen uns über unseren tollen Plan…..
Zuerst müssen wir noch einem Fischer ausweichen. Wir denken, es ist eines von diesen Whale Watching Booten und sehen erst sehr spät, dass es ein Fischer ist – der keinerlei Kennzeichnung als fischendes Fahrzeug führt. Davon hängt nämlich die “Vorfahrt” bzw. Kurshaltepflicht ab. Einem Fischer müssen wir ausweichen, ein Whale Watching Boot wäre ausweichpflichtig.

Kurz vor dem Ende der Insel dann ein Streifen Fallböen mit 25 Knoten, na ja, das gibt es ja, kennen wir aus Griechenland aus der Ägäis.

An der Ponta da Ferreia, der letzten Ecke von Sao Miguel,  halten wir vorsichtshalber schon reichlich Abstand vom Kap wegen einem möglichen Kapeffekt. Es wird rauher, Dünung kommt um die Ecke. Wir fahren am Wind und der Wind nimmt ziemlich schlagartig auf 25 Knoten zu. Macht über 30 Knoten scheinbarer Wind, das geht unter Vollzeug natürlich nicht. Zuerst kommt die Genua weg und wird durch das Kuttersegel ersetzt, es ist immer noch zu viel drauf. In der Dämmerung kommen dann noch 4 Segler entgegen, davon drei ohne AIS (Automatisches Identifikations System, ein Kollisionswarnsystem). Wie kann man nur so dämlich sein, hier ohne AIS herum zu fahren….?
Wir gehen ins Reff 2 im Groß und haben die Lage in Griff. Doch nun beginnt der ganz große Spaß dieser Nacht. Neben dem üblichen Geschaukel kommt ziemlich regelmäßig eine gaaanz üble Welle von der Seite und legt das Boot in maximale Schräglage. Diese kommt aus einer anderen Richtung und ist wirklich von der widerlichsten Sorte.

Die Capitania wird still, dann seekrank und verschwindet unter Deck. Selbst mir wird bei diesem elendigen Geschaukel übel.

Dazu kommt, dass beim Überlegen jedes Mal trotz reichlich Wind die Segel einfallen und mit lautem Knall dann wieder Druck bekommen. Das ist nicht gerade Material schonend…..

Irgendwann wird der Wind weniger, das Geschaukel noch übler. Statt dem Kuttersegel wird wieder die Genua aktiviert und nach einer kurzen Phase mit den angekündigten 10-12 Knoten frischt es auf 18 Knoten achterlich auf. Das Geschaukel bleibt, ist nun aber mit reichlich Druck im Schiff besser zu ertragen. Dafür nieselt es immer wieder, ein Mal schüttet es wie aus Kübeln, es ist rabenschwarz und die Sicht gleich Null. Ideal, um ohne AIS sich hier draußen herum zu treiben (wir haben natürlich AIS). Hoffentlich ist da keiner….

Morgentliche Ansteuerung von Teceira/Azoren

Um 9.45 Uhr machen wir in der Marina fest, die nach der Reparatur in Portimao etwas notleidende Reisekasse freut sich über Liegegebühren von 10,52 Euro pro Nacht.

Nach der Nacht sind wir bedient und vergammeln den Tag.