Porto Santo liegt achteraus. Am Montag, den 23.09. verlassen wir um 17 Uhr Porto Santo. Wir hatten zuvor Ari informiert, einen Finnen, dass der Platz am Kopf vom Pontoon frei wird. Der arme Kerl wartet schon einige Zeit (hat es aber anscheinend auch nicht so eilig), dass er mit seinem langen Boot einen Platz bekommen kann. Er bedankt sich extra noch mal.

Wir fahren zurück nach Portimao, da ich in Stuttgart eine kleine Finger-OP habe und auch das Boot nach der großen Reparatur noch mal raus soll, um zu schauen, wie das Unterwasserschiff aussieht. Es wurde ja nur Fleckchenweise neu lackiert und Antifouling aufgebracht. Das kann, muss aber nicht halten…..Beim Abtauchen bisher sieht aber alles gut aus.

Eigentlich ist die Capitania „not amused“, in die Nacht hinein zu starten. Das ging auch schon mal richtig schief, als wir üble Verhältnisse dann hatten und die Capitania sofort seekrank wurde. Dieses Mal haben wir aber sicher wenig Wind (hatte ich damals auch behauptet) und ich will die Nordkomponente unbedingt noch ausnutzen, um nach NE zu kommen.

Wir haben ca 450 Seemeilen nach Nordosten gegen den vorherrschenden NO Wind, da kann der Weg lang werden….

Der Plan ist so lange NO bis O zu laufen, bis der Wind von N auf NO dreht, dann Nord zu laufen bis der wieder eher auf N drehende Wind NO anlegen lässt. Es ist klar, alles ist so hoch wie möglich „am Wind“. Auch wir wissen nicht, ob unser Boot das so mitmacht (so Höhe zu laufen) und ob es vor allem gegen Ende im bekannten Starkwindbereich vor der portugisieschen SW Ecke funktionieren wird. Wir verabschieden uns in Porto Santo dann auch mit einem „vielleicht sind wir auch bald wieder da“.

Wie geplant ist die erste Nacht super entspannt, das Boot marschiert erstaunlich gut bei um die 10 Knoten Wind auch hoch am Wind. Der auffrischende und auf NO drehende Wind (jetzt hat es schon 16-17 Knoten) zwingt uns dann zur ersten Wende oder wir kommen nach Marokko. Nur im Notfall eine Option, denn von da wieder weg wird es auch nicht besser.

Höher am Wind geht nimmer – der Capitania geht es gut
Super Speed bei wenig Wind (TWS =True Wind Speed, SOG = Speed over Ground)
Umzingelt – Rennstrecke der Großschifffahrt vor Marokko

Erwartungsgemäß nimmt der Wind gaaaanz langsam in Richtung auf das Zentrum des Hochdruckkeils wieder ab und alles läuft prima. Wie vorhergesagt (aktuelle Grib-Diles werden per Satellit herunter geladen, dieses Mal täglich) dreht der Wind wieder etwas auf Nord und frischt wieder auf. Eine zweite Wende und es geht schon mal Richtung Gibraltar. Dann gibt es noch eine unfreiwillige Wende in der Nacht, als ich kurz nach der zweiten Wende „aus Versehen“ beim Anluven eine Wende fahre. Auch mit der Maschine keine Chance, mit back stehender Genua wieder herum zu kommen. Wir müssen die Genua schiften und einen neuen Anlauf unternehmen, um zurück auf den Kurs zu wenden. Also noch eine vierte Wende, um die dritte wieder auszubügeln. Das ist in unserer Konfiguration schon ein etwas größerer Akt, denn wir müssen 1. Das Kuttersegel weg rollen 2. Die Genua teilweise weg rollen sonst geht sie zwischen Kutterstag und Vorstag nicht gut durch 3. Dann wenden (zur Sicherheit läuft immer die Maschine mit, da das alles dauern kann) 4. Das Groß auf dem neuen Kurs dicht holen um Fahrt aufzunehmen 5. Genua ausrollen und dicht holen 6. Kutter ausrollen und dicht holen. Uff, schon geschafft. Na ja, da wir auf der ganzen Strcken gerade mal 2 mal geplant wenden, geht das schon.

Wir nähern uns allmählich Portugal und frühmorgens kommt uns die Joint Venture II auf Kollisionskurs entgegen, eine deutsche Segelyacht. Wir klären die Begnungssituation über Funk, da wir nicht weiter anluven können und beim Abfallen der Joint Venture direkt vor den Bug fahren würden. Die Joint Venture hat nach Lee ( mehrere 100 Meilen) Platz und ändert ihren Kurs. Die sind etwas gebeutelt, da sie in der Nacht ständig 25 bis 30 Knoten Wind hatten. Von hinten. DA müssen wir durch. Aber gegen an! Allerdings behaupten die Gribfiles, dass der Wind etwas schwächer werden soll. Es wird also im letzten Abschnitt spannend und der Wind nimmt dann auch bis 22 Knoten zu. Macht am Boot einen scheinbaren Wind von knapp 30 Knoten (7 Windstärken), da geht es schon gut ab. Wir reffen die Genua ins Reff 3 ein, das Groß ist schon längere Zeit im Reff 2, und setzen das Kutter dazu. Bei nur 15 Grad Schräglage donnern wir nun mit bis zu 7,5 Knoten hoch am Wind dem Ziel entgegen.

Vollgas hoch am Wind – die Sprayhood-Scheibe im Hintergrund klatschnass wie fast die ganze Fahrt

Plötzlich funktioniert das AIS System nicht mehr richtig, ausgerechnet wo wir (fast) außerhalb des Verkehrstrennungsgebietes am Cabo Sao Vicente an der SW Ecke Portugals sind. Da müssen alle vorbei, die aus dem Mittelmeer/Suezkanal kommen und nach Norden wollen. Entsprechend lebhaft geht es zu und so eine kleine Segelyacht, die da mitten in der Nacht quer dazu fährt, stört da richtig….Die Schiffsdaten der anderen Schiffe (Kurs, Geschwindigkeit, größte Annäherung, Zeitpunkt der größten Annäherung usw.) sind zwar noch verfügbar, müssen aber in anderen Menüs zusammengesucht werden.
Vorschriftsmäßig wird uns Platz gemacht und alles geht recht entspannt.

Unter Küstenabdeckung lässt der Wind nach und schläft dann fast ganz ein, der Seegang wird deutlich weniger, der Motor läuft (es gibt warmes Wasser), wir duschen.

Morgens bei Sonnenaufgang ankern wir m Samstag, 28.09. im Ankerfeld hinter dem Wellenbrecher in Portimao.

569 Seemeilen in gut 4,5 Tagen, gut 4 Motorstunden, einen Schnitt von 5,2 Knoten über die Gesamtstrecke.
Alles lief viel besser als befürchtet, der Capitania ging es bei den rauhen Verhältnissen prima. Was wirklich extrem belastend war, ist der Krach im Schiff. Wellen donnern gegen die Schiffswand, dass man glaubt, eine Abrissfirma wäre tätig. Das ganze Boot vibriert. Bei den hohen Geschwindigkeiten steigt das Boot immer wieder aus den kurzen Windwellen, um dann wieder hinein zu krachen. Ab 4,5 bis 5 Knoten war es aus mit gemütlich. Langsamer war aber auch nicht möglich, sonst hätte die Wettertaktik nicht funktioniert…

Allerdings ist bald Schluss mit lustig und Ausruhen, ein Polizeiboot kommt längsseits und pfeift uns an, warum wir hier ankern. Ehrlich gesagt verstehe ich die Frage nicht, denn das ist das ausgewiesene Ankerfeld… Ich frage dann auch „warum nicht“, da ist der gute Mann „not amused“. Es sagt, hier wäre Ankern verboten (????), denn es gäbt eine Regatta. Ich kläre auf, dass wir gerade nachts aus Madeira gekommen sind und bei bestem Willen nicht wissen können, das hier eine Regatta sein soll. (Ich hatte mich aber schon gewundert, warum so wenige Schiffe da sind..) Wir gehen wenige Minuten später Anker auf und verschwinden hinaus in den Atlantik und verlegen uns vor die Küste. Da ist es sowieso viel schöner und das Wasser sauberer.
Die Regatta ist (mal wieder) so eine völlig kranke Veranstaltung, wo mit Jetskis Rennen gefahren wird. Entsprechend ist der Krach. Die Strecke geht erstaunlicherweise aus dem Fluss durch die Hafeneinfahrt hinaus vor den Hauptstrand, dort entlang (damit auch alle was davon haben) und dann wieder zurück. Wir liegen einige 100m weiter und dürfen mithören…