Verkalkuliert. Wir sind zu schnell. Wir wollten am Donnerstag früh morgens in Tahiti einlaufen, es bläst aber wie verrückt unterwegs, und so sind wir schon am Mittwoch abends gegen 22.00 Uhr in Tahiti.
Wir haben die Wahl, entweder hinter dem Riff an der Pointe Venus zu ankern (was wir nicht kennen) oder nachts in den Hafen zu fahren und zu schauen, ob in der Marina was frei ist.
Wir waren schon mal in der Marina, die Anchorage kennen wir aber nicht, so fahren wir um 22 Uhr in den Hafen von Tahiti rein. Port Control hört sich sehr verschlafen an, als wir um Genehmigung zum Einlaufen nachfragen.
Obwohl wir schon mal hier waren, fahren wir nur mit absoluter Minimalgeschwindigkeit und Bow als Ausguck im Bugkorb Richtung Marina. Es gibt hier zwei Miniinseln, eine zum Festmachen der Trossen der Großschifffahrt, die im Weg herum stehen.
Wir fahren alles ab in der Marina – alles belegt. Nun ist guter Rat teuer, der Kanal zur Flughafenanchorage ist nachts gesperrt, zurück zur Pointe Venus wollen wir auch nicht.

Ich sehe ein Boot an der Kaimauer neben der Marina liegen, da fahren wir vorsichtig hin da die Tiefe dort nicht klar ist, es geht. Rückwärts wieder weg, Boot klarmachen zum Anlegen an BB und an den Kai zum Festmachen. Mittlerweile ist die Security da und hilft.
Die freundlichen Jungs erklären, dass man hier bis zum Morgen bleiben darf – super. Wir sind vom Anker auf bis zum Festmachen einen Schnitt von 7,1 gefahren. Kurz nach uns kommt noch ein Holländer, jetzt ist es hier komplett.

Am nächsten Morgen gehen wir zuerst einkaufen, als wir gegen 7 Uhr zurück kommen, steht schon die Security da. Wir sagen, dass das Marinabüro erst um 8.30 Uhr aufmacht, alles gut. Die beiden anderen Boote sind schon wieder verschwunden.
Leider hat es keinen Platz in der Marina, aber vielleicht verschwinden ja welche. Das Personal hat nicht wirklich einen Überblick…..
Wir bleiben auf Standby und tatsächlich wird ein Plätzchen frei, direkt hinter der Wavedancer, unseren Bekannten aus der Schweiz. Es ist eng hier am Pontoon auf der Rückseite, der Platz zwischen den Pfeilern, an denen der Pontoon fest gemacht ist, passt gerade so für unsere MUFFET.

Mit dem Bugstrahlruder und dem starken Radeffekt vom Propeller ist das Anlegen aber kein Problem.

Eine Woche ist jetzt in der Nebensaison recht günstig, um die 100 Euro, da gibt es nichts zu meckern. Endlich können wir das Schiff mal wieder gründlich „entsalzen“, was sonst nur durch Regen möglich ist.
Im Supermarkt geht es vor allem auf den Obststand los sowie auf die diversen Thaicurry Mischungen. Beides teuer, ein Einkauf für 300 Euro lässt sich spielend in zwei Einkaufstaschen wegtragen…. Trotzdem herrlich, wieder eine echte Obstauswahl zu haben und nicht nur Äpfel und Orangen.
Nachmittags schlägt dann Dave von der ISIS überraschend hier auf. Er ist auf dem Weg nach England, um seinen Vater, der schwer erkrankt ist (nicht an der Corona), zu besuchen und hat uns hier am Wartekai liegen gesehen. Er hat seinen Flug vor zwei Tagen verpasst, da er als „Vollgeimpfter“ nicht den richtigen Test gemacht hatte – und das Testlabor von United schon geschlossen hatte, als man ihm das mitgeteilt hat.
Wir trinken Kaffee und Quatschen entspannt, ein herrlicher Mittag.

Wir müssen ein paar Kleinigkeiten einkaufen, vor allem Inlinepumpen als Vordruckpumpe zum Wassermacher und Epoxy als Allerweltsreparaturmittel. Zur Marina Taina fahren wir mit dem Fahrrad um eine Dose Antifouling zu kaufen, damit das Boot einen zusätzliche Lage Antifouling bekommt, wenn wir in Raiatea auskranen.
Unser neuer Propeller hat es mittlerweile durch den Zoll bis nach Raiatea geschafft. Wir müssen in Raiatea raus, da der Propellerschaft ein zusätzliches Gewinde innen benötigt. Also Großbaustelle dann, Propellerwelle ziehen und wieder einbauen, Antifouling drauf, Schadstellen ausbessern.

Die Crew der WOLO, Lucille, Mathea und Marco aus Rostock, kommen zum Kaffeetrinken. Sie brauchen noch Südamerikaführer – wir haben sie an Bord. Morgen klären wir, was sie uns abkaufen wollen. Sie wollen zusammen mit der GENTOO zurück nach Europa, die harte Tour um das Kap Horn. Zur Zeit ist in Chile eine Einreise auch nur via Valdivia möglich, offiziell ist die Seegrenze zu. Argentinien ist auch noch zu! Insbesondere der Weg von hier nach Valdivia dürfte knallhart sein, da muss man extrem weit in den stürmischen Südpazifik, um nach Osten zu gelangen.
Ein anderes Boot, die VENUS unserer kanadischen Bekannten Chloe und Axel fährt gerade zurück nach Panama. Statt der geplanten 4 Wochen sieht es eher nach 5 Wochen aus, aber im Moment kommen sie gut voran. Sie wurden sehr weit nach Norden abgedrängt, viel weiter als geplant.

Lucille und Marco von der WOLO zu Gast

Am nächsten Abend kommen die WOLOS noch mal an Bord. Sie nehmen alles mit, was wir an Südamerikaliteratur im Angebot haben. Nochmals ein toller Abend mit der Crew der WOLO! Schön dass wir euch kennen lernen durften! Wir wünschen ihnen einen erfolgreichen Törn um Südamerika herum. Es fuchst uns natürlich, dass uns dieses Stück wegen der allgemeinen Paranoia verweht blieb.
Morgen geht es nach Raiatea, 120nm.