Wir beschließen um 13 Uhr zu starten. Letzte Einkäufe, Wasser tanken, Andrea und Pedro bringen uns noch ein großes Paket und einen riesigen alten Koffer mit ausrangierten Kleidern für wohltätige Organisationen auf den Kapverden mit. Wir werfen eine kurzen Blick hinein. Es kostet zu viel Zeit, alles zu checken. Wir nehmen normalerweise grundsätzlich nichts für andere mit, was wir nicht gründlichst gecheckt haben…. Aber wir haben ja unterwegs noch Zeit und so machen wir es dann auch. Unterwegs wird alles ausgepackt – nichts drin was nicht drin sein sollte. Notfalls hätten wir alles über Bord geworfen….

Statt um 13 Uhr geht es dann um 14.30 Uhr los.

Wir verlassen Santa Cruz de Tenerife!

Endlich geht es los und wir können die Kanaren verlassen. Wir freuen uns auf einen langen Schlag Hochseesegeln. Die Wetterprognosen sind gut, etwas viel Wind anhaltend über 20 Knoten, in Böen bis 32 Knoten. Es sollte flott voran gehen.
Nach dem Ablegen wird zuerst mal gründlich im Vorhafen aufgeräumt und alles verstaut. Es bläst schon mit mehr als 20 Knoten und in Erwartung der Akzelerationszonen zwischen den kanarischen Inseln setzen wir nur die Genua die leicht zu reffen ist. Es bläst uns recht flott gen SW, aber es wackelt sehr unangenehm.
Deswegen setzen wir am nächsten Morgen das Groß zusätzlich im Reff 1 und baumen die Genua nach einer leichten Kurskorrektur auf der Luvseite zu 50% aus. Wir haben Wind aus ca 165 Grad und fahren mit Autopilot und Windwinkel. Das funktioniert super. Zudem liegt das Boot nun viel stabiler in den Wellen.

So geht es 750 Meilen dahin – kein großer Stress an Bord

Wir fahren ein recht hohes Tempo. Draußen ist am ersten Tag nichts los, am zweiten Tag gibt es etwas Verkehr, vor allem spanische Fischer (aus dem Südatlantik?) auf dem Rückweg nach Spanien. Wirklich nahe kommt uns keiner. Ab dem dritten Tag sehen wir niemanden mehr, nur das AIS meldet Traffic irgendwo weit draußen.

Eine fröhliche Capitania en route

Bow geht es abgesehen vom ersten Tag super. Wir duschen jeden zweiten Tag, jeden Tag wird gekocht, entspanntes Langstreckensegeln bei Höchstgeschwindigkeit. Im Schnitt fahren wir seit Abfahrt 7,2 Knoten, gelegentlich auch über einiges Stunden deutlich jenseits der 8 Knoten. Wie hat Ursula auf dem Weg nach Madeira schon mal gesagt: Du hast ein Problem mit der Geschwindigkeit. Ja. Es macht halt tierischen Spaß wenn das Boot richtig läuft….

Jeden Morgen – Schlachtfeld aufräumen! Bis zu 8 tote fliegende Fische auf Deck….

Ich habe schon unsere Ankunft für Donnerstag morgens bei Erwin via Satellit angekündigt, da stellt uns doch tatsächlich jemand das Gebläse ab. Der Wind schläft ein! Nur noch minimal 8 Knoten. Der Gennaker muss ran, aber der steht auch nicht richtig bei dem Gewackele.

Auch mit Genaker nur Zuckeltempo

Beim Bergen des Genakers schlägt es mir dann noch das Spifall aus der Hand. Ich würde es gerne rausziehen, aber da hängt ein Schäkel dran der beim Einschlag auf Deck schnell mal was kaputt machen könnte. Kurz darauf hat sich “rausziehen” erledigt, das Fall hat sich um Genua und Fock gewickelt! Klettergurt raus und mitten auf dem Atlantik in den Mast – ein lebensgefährliches Unternehmenbei dem Gewackel trotz aller Vorsichtsmaßnahmen! Aber da wir weder GEnua noch Fock verwenden können notwendig….

Der Wind dreht andauernd. Wir bauen wiederholt um, um noch akzeptable Geschwindigkeit zu laufen, denn wir wollen auf keinen Fall nachts in Mindelo einlaufen. Da liegen einige Wracks sichtbar und unsichtbar im Ankerfeld unter und über Wasser herum. Zudem gibt es zahlreiche unbeleuchtete Bojen, denkbar schlechte Bedingungen für einen nächtlichen Landfall.
Da wir nun langsame um die 5 Knoten fahren hängen wir mal wieder nach langer Zeit die Angel raus. Nach 10 Minuten hat eine schöne Goldmakrele angebissen. Die ist gerade in der Pfanne, da gibt es schon den nächsten Anbiss. Nochmals eine Goldmakrele. Die kommt nun in den Kühlschrank.

Schnelles Angelglück

Kurz vor Mindelo nimmt der Wind wieder drastisch zu, wir bergen die ausgebaumte Genua rechtzeitig weg und rauschen mit 7 Knoten unter Groß bei 25 Knoten Wind in den Hafen. Beim ersten Bereich mit weniger Wind bergen wir das Groß weg, und werden gleich von der Ferry angehupt. Keine Ahnung wo die hinter uns her kam, auf dem AIS war nichts und wir haben nicht nach hinten geschaut. Aber er wollte auch nur, dass wir wissen, dass da einer kommt und wir lassen ihn anlegen.

Anfahrt nach Mindelo

Wir fahren nach nur 5 Tagen vorsichtig in die Marina und machen bei über 30 Knoten Wind an der Tankstelle (wie mit Erwin besprochen) fest. Jede Menge Leute auf anderen Booten – keiner fühlt sich bemüßigt, zu kommen, um eine Leine in Empfang zu nehmen. Was für ein Pack….Wenn ich sehe, dass da ein Boot bei 30 Knoten fest machen will, dann bewege ich doch mal meinen Arsch in die Richtung!?

Wir manövrieren uns vorsichtig an den Steg, es ist nicht besonders schwer, da der fast in Windrichtung liegt und wir uns rückwärts annähern.
Wir machen fest, rechnen damit dass sich nun gleich die Polizei auf uns stürzt und das Personal der Marina – niemand kommt.
Nachts weckt mich dann die Capitania aus dem Tiefstschlaf auf: Vorne hat es gerumpelt, einer ist gegen unser Boot gefahren. Das hat es noch NIE gegeben, dass ich bei so was nicht sofort wach bin!
Der Ungar aus Gran Canaria kommend will hinter uns an der Tankstelle anlegen. Da ist aber nicht genug Platz… Ich zieh mal was an und biete an, unser Schiff zu verlegen, aber die zwei haben schon ein total chaotisches Manöver begonnen, ihr Schiff 90° um die Ecke zu verlegen – von Hand. Das ist grundsätzlich die richtige Idee – aber NICHT so!!
Bei 30 Knoten Wind ein 42 Fuß Schiff einfach mit der Leine in der Hand (!) zu halten ist ein gaaanz schlechte Idee!
Beinah geht es denn auch schief…. Tatsächlich sind die zu dritt, aber ein junger Mann pennt bei dem Manöver….Gerade noch können wir das Schiff halten, bevor es in die Bucht abtreibt (mit dem schlafenden jungen Mann drin)! Manöver nicht vorbereitet, nicht kommuniziert was wie passieren soll, Chaos mitten in der Nacht bei wirklich viel Wind…unglaublich.
Glücklicherweise ist der Kolege nur gegen unseren Anker gefahren – nichts passiert.

Erst am nächsten „Morgen“ gegen 10 taucht einer von der Marina auf und sagt, dass wir von der Tanke weg sollen. Kein Problem, gerne, wohin? Ah, zuerst Polizei holen. Und Gesundheitskontrolle. Die kommen „sofort“, heißt eine Stunde später.

Polizei und Gesundheitsinspektor bei der PCR Test Kontrolle

Mit unserem PCR Test geht die Freigabe recht schnell. Ein anderes Boot, das zwei Tage mehr gebraucht hat von Gran Canaria, kommt ohne Test daher – die werden zuerst mal abgeholt und müssen dann auf das Ergebnis warten.

Wir haben nun die Erlaubnis, zur Immigration und zur Policia Maritima zu marschieren, um dort offiziell einzuklarieren. Alle sind sehr freundlich und das Ganze geht in wenigen Minuten jeweils über die Bühne.
Schnell zurück in die Marina. Kurz vor dem Eingang spricht uns ein junger Einheimischer an, der behauptet, in Leipzig studieren zu wollen und in den ersten 20 Wörtern bereits drei mal sagt, dass er auf keinen Fall Geld von uns will. Aber wir könnten ihm was kaufen…..
Wir kürzen das Ganze ab und sagen, dass wir a) kein Geld bei uns haben und b) leider leider keine Zeit haben und ganz schnell das Boot verlegen müssen (was sogar stimmt).
Das machen wir auch, diesmal hat es noch mehr Wind und die Einfahrt in die Gasse zum Liegeplatz (quer zum Wind) ist sehr spannend,, letztendlich klappt alles prima und nun stehen auch zwei Jungs von der Marina da zum Helfen. Es hat extrem starken Schwell im Hafen und manche Festmacher werden dreifach genommen, falls etwas abreißt.
Willkommen in Afrika!

Abendstimmung in der Marina Mindelo