Wie es bei uns irgendwie so zu sein scheint, geht immer was kaputt direkt vor einer geplanten Abfahrt. Dieses Mal war es die Ankerwinsch, die rattert, aber Kette und Anker nicht mehr hoch holt.
Das gute Teil ausgebaut, dazu muss natürlich a) die Bugkabine ausgeräumt werden und b) die Kabine teilweise zerlegt werden. Dementsprechend sieht es im Boot aus wie nach einem Bombeneinschlag…..
Die Winde ist erstaunlich schnell draußen und unsere canadischen Freunde geben uns noch den Tip, mal im „Tresure Trove“ zu schauen. Dort gibt es Second Hand Teile.
Wir also dorthin und finden zwei überaus hilfsbereite Engländer, die sofort die Winde zerlegen um zu schauen, ob sie eventuell das passende Ersatzteil haben. Eigentlich ist einer der beiden der Chef von Dream Charter hier, derzeit eher Alptraum Charter, seit fast einem Jahr genau Null Einnahmen, denn wer hat schon Lust, wegen zwei Wochen chartern hier 7 Tage in Quarantäne zu hocken und dann womöglich zu Hause noch mal 14 Tage….?

Ein Zahnrad im Inneren der Ankerwinde hat sich zerlegt. Es ist auch eine Superkonstruktion, eine Edelstahlwelle auf ein filigranes Bronzerad los zu lassen – wenn da was „klemmt“ hobelt es halt die Bronze weg. Eine Schwachsinnskonstruktion halt. Leider haben die beiden jede Menge Ersatzteile, aber nicht das passende. Na ja, die Winde war für den 33kg Anker eh etwas grenzwertig dimensioniert.
Im Laden findet sich ein wesentlich stärkeres Modell. Kostet so um die 1800 Euro neu, verkaufen sie für 1000 Euro umgerechnet. Teuer genug….. Das gute Teil flugs erstanden, Kabel gibt es „umsonst“ dazu,  prima.

Am Schiff sind Umbauten notwendig. Die Aufnahme passt natürlich nicht. Die notwendigen dicken Kabel für einen 1500 Watt Motor passen auch nicht unter die Abdeckung – was für eine Konstruktion! Dem Ingenieur, der das geplant hat gehört …..(das darf ich nicht schreiben)! Wir versuchen den Motor zu drehen, vielleicht geht es ja dann. Ups, einer der Haltebolzen hat kein Gewinde mehr. Das wussten die Jungs beim Verkauf sicher…..! Also neues Gewinde schneiden, dazu muss aber der Motor demontiert werden. Der klemmt und so geht die Antriebswelle mit raus. Jetzt hat es prima Platz, um ein neues Gewinde zu schneiden, aber eine zerlegte Winsch. Ronald aus NL und James aus Canada eilen zur Hilfe und gemeinsam bekommen wir das Teil wieder zusammen, ohne alles komplett auseinander zu bauen. Zumal die Schrauben des Deckels fest korrodiert sind. Das könnte ein endless game werden….

Wir bekommen alles geregelt, statt dicker Kabel gibt es nur 35mm Quadrat auf dem letzten Stück, aber so geht der Deckel wieder drauf.

Nun nur noch zum Ausklarieren auf die andere Seite der Insel. Angeblich darf man da nicht mehr ankern und muss an eine der 30 Bojen gehen, aus „Umweltschutzgründen“ (sagt zumindest das morgentliche Cruisers Net im Funk). Die mag es ja sicher irgendwo geben, aber DA ganz sicher nicht, der Boden ist Sand und Geröll mit null Bewuchs.
Wir kommen um die Ecke – alle ankern wie immer. Keine Mooringbojen, keine Coast Guard mit MP, die Terror macht – nichts.

Wir klarieren am Montag den 1.2. aus uns haben dann eigentlich noch 24 Stunden, bis wir weg sein müssen. Es wackelt aber am Ankerplatz gewaltig und so beschließen wir, uns lieber auf Strecke herum schaukeln zu lassen und gehen um 16 Uhr Anker auf.

Der Start im Lee der Insel ist extrem mühsam und nur ganz langsam wird es vom Wind her besser, vom Schwell her immer schlechter. Wellen aus allen Richtungen gefallen Boot und Crew nicht.
Wir halten aus Sicherheitsgründen von der venezuelanischen und kolumbianischen Küste ca 50nm Abstand, knapp 100km, um das Piraterierisiko zu mimimieren. Zudem fahren wir im AIS Silent Mode, das bedeutet, wir senden keine Kennung, sondern empfangen nur. Dummerweise heißt das dann akkurat Wache gehen, falls das andere ebenso machen. Wenn sich Großschifffahrt nähert, schalten wir kurz ein, ebenso als uns nördlich der niederländischen Antillen ein militärischer Aufklärer im Tiefstflug überfliegt.

Flott unterwegs
Ideales Hochseesegeln

Nördlich Venezuela wird es nachts bitter kalt und die Meerestemperatur hat nur noch 24 Grad. Der Wind nimmt kontimuierlich zu und zwei Tage lang haben wir bis zu 35 Knoten, schön von hinten. Da geht es gewaltig ab und wir laufen -auch dank Strom von hinten- bis über 200nm pro Tag!
Wir finden schnell unseren Rythmus wieder und die üblichen Fressattacken am Beginn längerer Schläge halten sich sogar in Grenzen.

Irgendwann am 5.Tag hat es sogar so wa wie „Flaute“, so wenig Wind dass wir den Genaker setzen wollen, unser Leichtwindsegel. Zur besseren Manövrierbarkeit und zur Sicherheit lassen wir dabei meist die Maschine mitlaufen, da wir zuerst alles wegbergen und dann den Genaker setzen, da ist weniger Chaos und das Segel steht gleich optimal. Nur – die Maschine läuft, aber „da kommt nichts“. Kein Vortrieb… Ich kenne das schon, denn bei einem Chartertörn mit Schülern ist auch schon mal ein Propeller beim Ausparken abgefallen. Wir befestigen die GoPro an einem Bootshaken und halten die ins Wasser. Da wo der Propeller sein sollte ist – nichts. Offensichtlich hat sich der Patentverschluss gelöst und mehrere 1000 Euro sind im karibischen Meer auf mindestens 3000m versunken. Wir sind wirklich sauer, denn gerade nach so was hatte ich beim Kauf den Hersteller aus Italien ausdrücklich gefragt…Grrr!

Da fehlt wohl was….

Aber wir sind ja nicht in Kroatien sondeern mitten im karibischen Meer, die Länder sind wegen der Paranoia fast alle dicht, mal so einlaufen geht gar nicht. Wir werden nachts ankommen… Auch nicht gut, nachts in unbekannten Hafen mit vorgelagerten Riffen und davor in der Rennstrecke der Großschifffahrt in der Zufahrt zum Panamakanal – ohne Motor bzw. Propeller. Ich alarmiere mal Alex in Portimao und kontaktiere die Marina. Kein Problem, sie bieten innerhalb des Wellenbrechers Schlepphilfe an.
Wir beschließen, noch eine Nacht draußen hin und her zu fahren und erst morgens einzulaufen. Um die Einfahrt zu optimieren, damit wir mit halbem Wind rein kommen können, umfahren wir das gesamte Verkehrstrennungsgebiet auf die NW Seite und kommen von da rein. Um Mitternacht starten wir die Ansteuerung von der Panamakanaleinfahrt.

Ein bisschen Slalom

Wir müssen durch das Atlantik Ankerfeld des Panamakanals durch – sieht schlimmer aus als es ist, es hat genug Platz zwischen den großen Pötten.
Für die Einfahrt durch den Wellenbrecher muss man sich eine Genehmigung bei der Verkehrszentrale einholen, zunächst in 8nm Entfernung. Ich kündige schon mal an, dass wir unter Segel rein kommen. Wir sollen weiter fahren und uns in 1nm noch mal melden. Da wir inzwischen nur unter Genua mit 7 Knoten laufen, melde ich mich lieber ein wenig früher. Die freundliche Kontrollerin hat uns im Blick und uns einen Slot frei gehalten, super! Wir fahren neben der Fahrrinne und nur kurz am Wellenbrecher in die Fahrrinne rein, so ist es mit der Kontrollerin vereinbart. Es hat gut 25 Knoten Wind und wir halsen planmäßig mitten in der Einfahrt, um die Fahrrinne schnellstmöglich wieder frei zu machen. Hinter uns kommt schon wieder ein riesiger Containerfrachter mit knapp 300m Länge und knapp 50m Breite daher, nichts wie weg. Zwar ist die Einfahrt 600m breit, aber wenn so einer entgegenkommt (wie geschehen) und der nächst schon von hinten, kommt es einem nicht übermäßig riesig vor.

Hinter dem Wellenbrecher geht es am Wellenbrecher entlang zur Marina. Wir bergen die Genua komplett weg, der Wind treibt uns auch ohne Segel immer noch mit 3,5 Knoten vorwärts.
Aus der Marina kommen zwei Dinghis angefahren, einer hängt sich Steuerbord an den Bug, der andere achtern hin. Es geht recht knapp an der Riffkante entlang, es war also viel besser, das bei Nacht gar nicht erst zu versuchen. Dashaben schon andere gemacht, denn es hat reichlich Wracks überall…..

Shelter Bay Marina in Sicht

Letztendlich machen das die Jungs hervorragend und ruckzuck sind wir gedreht und liegen in der Box.  Es ist der 9.2. ggen 11 Uhr.  Eine gute Stunde nach dem Festmachen kommt die Dame vom Health-Department zum obligatorischen (schwachsinnigen) Covid-Test.
Abends ist schon das Ergebnis da, „negativ“, und wir dürfen an Land. Wir erkunden ein wenig die Gegend und sitzen nach langer Zeit mal wieder im Restaurant, wo wir den Abend mit anderen deutschen Crews zusammen ausklingen lassen. Alle wollen sie dahin, wo wir auch hin wollen, nach französisch Polynesien, allerdings haben wir als einzige eine schriftliche Genehmigung!?!